Schlaf und Gedächtnis

Bis vor wenigen Jahren gab es in der Neurowissenschaft die Sichtweise, dass sich Nervenzellen im Gehirn nur während der embryonalen Entwicklung im Mutterleib bilden würden. Tatsächlich wissen wir heute aber, dass die neuronale Erneuerung sogar bis ins hohe Alter gewährleistet ist.

Aktuelle Forschungen zeigen, dass sich auch bei 90-Jährigen kontinuierlich neue Nervenzellen bilden. Bestimmte Zellen scheinen sich ein Leben lang zu neuen Neuronen zu entwickeln. Studien belegen immer deutlicher, dass der Prozess der Zellerneuerung tatsächlich bis ins hohe Alter Bestand hat, durch bestimmte Alterungsprozesse wie Alzheimer aber deutlich beeinträchtigt werden kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Hippocampus, der für Lernen und Gedächtnisbildung von größter Wichtigkeit ist. Aus diesen Forschungsergebnissen resultieren zwei wichtige Konsequenzen:

Schlafprobleme verringern die Gedächtnisleistung

Erster Rückschluss: Störungen des Tiefschlafs fördern die Vergesslichkeit. Warum? Weil im Tiefschlaf Gedächtnisinhalte konsolidiert werden. Konsolidierung heißt „festigen, sichern“. Im Schlaf werden die neuen Eindrücke des Tages, die im Hippocampus – dem Arbeitsspeicher des Gehirns – zwischengelagert wurden, in das Langzeitgedächtnis übertragen.

Die Langzeitspeicherung von neu gelernten Inhalten wird aktuell dem Cortex praefrontalis zugeordnet. Um die Informationen vom Hippocampus in den Langzeitspeicher zu bekommen, sind die Tiefschlafphasen notwendig. Der erste Rückschluss in der Zusammenfassung lautet: Ohne ausreichende Schlafphasen verringern wir dauerhaft unsere Gedächtnisleistung.

Gesunder Schlaf für ein gesundes Gehirn

Zweiter Rückschluss: Wenn die Regeneration unserer Zellen vorrangig im Schlaf abläuft, ist die Bedeutung des Schlafs für die Gesundheit unseres Gehirns enorm. Die Gedächtnisleistung ist dabei nur ein Teil unserer Gehirngesundheit. Weitere entscheidende Faktoren sind natürlich unsere Konzentrations- und Kognitionsfähigkeit.

Kognitive Fähigkeiten umfassen die Gesamtheit aller Prozesse, die mit dem Wahrnehmen und Erkennen der Informationen um uns herum gemeint sind. Wenn unsere Fähigkeit zur Kognition durch Schlafmangel leidet, können wir vielleicht unseren Gesprächspartner nicht mehr richtig wahrnehmen. Wir verlieren eventuell den Bezug zu unseren Aufgaben im Beruf. Unsere Wahrnehmung der eigenen Gesundheit kann sich verschieben, genauso wie die Wahrnehmung unseres Umgangs mit alltäglichen Drogen wie Alkohol, industrieller Nahrung oder Zucker.


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